Texstile Kundgaben

[ Theater 46 ]

Theater 46 ist von texstil.net emmigriert, um den Ruhestand im öffentlichen Raum des Salon-Blogs „Texstile Kundgaben“ geniessen zu können.

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[46 SINNE DES LEBENS]

Einem Computer wurde vor zwei Millionen Jahren die Frage eingegeben:
„Was ist der Sinn des Lebens?“ Und nach zwei Millionen spuckte er aus: „46.“
Was?
46.
Warum?
(Janosch. Gastmahl auf Gomera. 1997, Goldmann Verlag)

Helium = Fragend, Melancholisch, Traurig, Resigniert
Xenon = Lebenslustig, Lebensfreudig, Zufrieden, Glücklich
Argon = Argwöhnisch, Mißtrauisch, Aggressiv, Zweifelnd
Phosphor = Reflektierend, Denkend, Rational, Ernst
Fluor = Oberflächlich, Einfach, Spaßsuchend, Flatterhaft

Szenenabfolge
Denken – Gedanken – Gedächtnis – Reden
Warum – Gott – Wahnsinn – Götter – Jesus – Religion – Utopie
Ich-Sinne: Seele – Glück – Sehnsucht – Freude – Leid – Wahrheit – Tod
Essen – Seezunge – Restaurants – Gastmähler – Wein – Pernod
Welt – Wohnen – Orte – Häuser – Reisen – Heimweh
Schönheit – Mode – Brillen – Möbel – Bücherschränke
Restsinne: Die Dialoge dazwischen

Textauszüge
Eigentlich habe ich gar nichts zu erzählen. Aber ich rede, bewege meine
Lippen, die Zunge hüpft zwischen Gaumen und Unterkiefer, weil ich das
Gefühl mag. Ich rede gern und viel über alles um mich herum und über
nichts, was nicht andere auch denken, weil eigentlich habe ich gar nichts
zu erzählen.
Wir reden alle gerne und viel, nichts Neues, aber alt auch nicht, weil wir
letztendlich dasselbe denken und so reden, als würden wir anderes als
die anderen erzählen.

1. Da sitzt jemand neben mir, abend für abend, gleicht mir bis aufs Haar
und ist flach ohne die dritte Dimension. Und scheibenkalt. Und scheibendreckig.
Aber kritisch blickend = gleichlebend neben mir? Eine zweite Person, nur da,
wenn Licht gegen Dunkelheit durch klares Material dringt.
2. Das Spiegelbild als Bestätigung, daß ich lebe: Wie soll ich mir mein Gesicht
sonst merken können? Ein Blick auf Glas, auf glattes Teichwasser, auf Silber
jeglicher Art: Bin das ich? Manchmal verzerrt, eigentlich immer, immer so, wie
ich es sehe: mein gespiegeltes Äußeres. Das ist die Bestätigung.
3. Worte sind ich, entstehen aus meinem Tun, wollen meine Dinge wiedergeben.
Worte, die ein Spiegelbild sind, mein Spiegel, gesiegelt auf Papier, immer wieder
lesbar oder gedacht die meisten und vergessen die vielen. Aber sie sind solange
ich bin, nur diese einen Worte, die von allen gebraucht aber nur von mir
verstanden werden. Meine Worte, universell-individuell, die Spiegelworte.

Warum ist Warum die Frage nach allem?
Wer hat diese Grenzenlosigkeit, dieses nicht Beantwortbare
In mich, in die Welt gepflanzt.
Dieses unkrautige Samenkorn,
Das überall wuchert,
Das überall eindringen und wurzeln kann,
Das niemals ein Ende findet,
Gen Himmel und weiter wächst,
Alles umrankt, Ableger bildet,
Labyrinthe ohne Ausgänge?

Weitere Tage folgen und ich weiß nicht, was kommen wird.
Ich warte, warte auf vieles,
Ich arbeite, ich schlafe, ich rede mich stumm.
Ich kann nichts mehr sagen,
Bin total gehemmt,
Voller Widerspruch bin ich glücklich, bin ich traurig.

Mein Ich in der Welt heute:
Gerade keine Lust auf andere,
Will unberührt sein,
Alleine mit mir.
Will mich reinigen,
Durch mich hindurchgehen.
Ohne Ich geht es mir
besser gerade.
Vielleicht auch weiterhin?
Nun werde ich / ich werde
Zu sondieren wissen.
Und es aushalten lernen.
Mit Euch und ohne Euch.

Ein Collagenstück für 5 Personen
Theatercollage aus Texten von
Janosch. Gastmahl auf Gomera. 1997, Goldmann Verlag
Georges Perec. In einem Netz gekreuzter Linien. 1996, Manholt Verlag
Saloniere (1996 – 1998)

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