Texstile Kundgaben

[ Fichte ]

Ob es uns wieder wohlergehen soll, dies hängt ganz allein von uns ab, und es wird sicherlich nie wieder irgendein Wohlsein an uns kommen, wenn wir nicht selbst es uns verschaffen. Johann Gottlieb Fichte (1762 – 1814)

Was ist das?

Fichtestraße

Berlin, Fichtestraße : Ein Kriminalstück in 3 Akten

Fichtestraße, Berlin-Hermsdorf, 07:54 [Randbezirk, beschau(er)lich]: Es regnet.
Eine männliche Leiche liegt im Gebüsch, der Kommissar in beigem Trenchcoat spricht mit dem Arzt. Das Mobiltelefon des Kommissars klingelt, er spricht kurz und steigt dann in den Wagen.

Fichtestraße, Berlin-Bohnsdorf, 09:54 [Hügel mit Berliner Aussichten]: Der Himmel ist wolkenverhangen, es tröpfelt.
Ein Einfamilienhaus. Der Kommissar klingelt, eine Frau öffnet die Tür. In der Küche: Die Wanduhr tickt. Der Kommissar stellt Fragen, die Frau schüttelt immer wieder den Kopf. Eine Tür fällt zu, dann ein Schatten, der am Küchenfenster vorbeihuscht. Ein Auto fährt mit quietschenden Reifen an.
Der Kommissar springt auf und reisst die Haustür auf. Er sieht, wie ein roter Wagen um die Ecke biegt.

Fichtestraße, Berlin-Kreuzberg, 11:54 [Berlin, MITTEndrin]: Der Himmel ist immer noch grau und nass.
Im Gasometer: Der Kommissar öffnet vorsichtig eine rostige Tür und schiebt sich, seine Dienstwaffe im Anschlag, mit dem Rücken an der Wand eines Ganges lang. Ein lautes blechernes Geräusch, der Kommissar fährt herum und sieht einen Schatten durch eine Tür verschwinden.
Auf der Straße: Ein Mann springt über den Zaun, der den Bunker von der Straße trennt. Der Kommissar erscheint hinter dem Mann, ruft etwas, der Mann läuft weiter. Der Kommissar zielt mit der Waffe auf den Flüchtenden, ein Schuss zerreisst die Luft. Der Mann, ein Schatten nur, sackt zusammen.

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[Fichte] Ich bin Fichte.
Auf der Suche nach meinem Namen.

Wo mein Name ist, bin da ich?
Was ist da, wo mein Name ist?
Wer ist da, wo mein Name ist?

Ansichten – Straßenfluchten
Namensansichten – Namensfluchten
Auf der Suche nach meinem
vielfältigen Ich.
Ich = mein Name?

Wo mein Name ist,
ist da meine Heimat?
Mein Name: Nicht gewählt – geerbt.
Ich will ihn suchen: Den Ursprung
meines Namens. Da wo mein Name
auch oder noch oder wieder wohnt.

fICHte: Ist es Zufall,
dass mein Name mein Ich enthält?

Ist das der Ursprung?
Oder ist mein Name Ausdruck für
verschiedene Realitäten?
Kann ich mich an den Orten,
die meinen Namen tragen, finden?
Kann ich mich in den Menschen,
die meinen Namen tragen, finden?
Kann ich mich in den Geschichten,
die meinen Namen tragen, finden?

Der Baum Fichte.
Der Philosoph Fichte.
Mein Urahn Fichte.
Die Fichtestraßen in Deutschland.

Ich habe mein zu Hause verlassen, um
nach der einheitlichen Spur dieser
Straße zu forschen. Die Spur soll mich
zu meinem Ursprung, zu meinem
Namen zu meiner Heimat führen.
Ich will Antworten auf meine Fragen.
Antworten darauf, warum ein Name
vielerorts erscheinen kann. Ob er
noch derselbe ist an verschiedenen
Orten.

Ob er noch ICH ist, mein Name.

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