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Auswärtsticker : Bildberichte

Stadtfarbe oder statt Farbe
Juni 28th, 2007

Eine Stadt lebt von ihren und durch ihre Attribute:
Peking, die verbotene Stadt.
New York, die schönste Stadt.
Paris, die Stadt der Liebe.
Berlin, die Stadt ohne Grenzen.
Lissabon, die Stadt der Sehnsucht.
Las Vegas, die Stadt der Illusionen.
Moskau, die Stadt der Extreme.

Schließt man von der der Stadt zugeschriebenen Eigenschaft auf die Farbe, die die Stadt aufgrund dieser haben müßte, so wäre
Peking kirschrot,
New York strahlend weiß,
Paris purpurn,
Berlin birkengrün,
Lissabon lichtblau,
Las Vegas gelborange,
Moskau golden.

Da ich mich nicht gerne nur für eine Eigenschaft, Farbe oder Stadt entscheiden möchte, sähe meine ideale Metropole in etwa so aus:
Ein bißchen Peking ohne Verboten aber Rot auf jeden Fall.
Sehr viel New York, sehr viel Schönstes, sehr viel strahlendes Weiß.
Paris muß dabei sein, Liebe ist absolut wichtig und Purpur nehme ich gerne dazu.
Von Berlin möchte ich mindestens die Hälfte dabei haben, das satte Birkengrün und die Grenzenlosigkeit.
Lissabon weckt Sehnsucht, die ich nicht missen möchte – genauso brauche ich das Lichtblau.
Las Vegas soll nur ganz wenig dabei sein. Illusionen sind wünschenswert, wenn es sich um Träume handelt. Gelborange darf es punktuell sein, nur nicht zu massiv, da es Kopfschmerzen verursacht.
Und schließlich Moskau: Den extremen Reichtum gepaart mit bitterer Armut will ich nicht haben. (M)Eine goldene Stadt soll für alle gleichermaßen da sein.

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Blaue Stufen
Juni 10th, 2007

Morgens, blaue Stunde, ich wache auf und lausche der absoluten blauen Stille. Es ist noch sehr früh, schlafen kann ich nicht mehr, also lese ich “Sehr blaue Augen” von Toni Morrison. Zeit aufzustehen. Der Himmel strahlt blau, kein Wölkchen zu sehen. Ich gehe auf den Balkon, strecke mich, es blühen blaue Hyazinthen und Lavendel, der ebenso blau duftet. Mit glitzernd-blauer Zahnpasta putze ich meine Zähne bis sie glänzen.

Blau-ausgewaschen ist die Jeanshose, in die ich schlüpfe. Am Tisch sitzend und ein halbes Brötchen mit Blaubeermarmelade kauend schaue ich in eine in meiner Stadt bekannte Tageszeitung mit blau gedrucktem Namenszug hinein. Ich stöbere im Kinoteil, heute ist blauer Montag, ein Kinobesuch zum halben Preis. Dann fahre ich zu meiner Arbeitsstätte, wie jeden Tag vorbei am blauen Wannsee.

Am Abend: Nachtblau endet der Tag gegen Zehn, ich sitze im dunklen Filmtheater in einen samtblauen Sessel gekuschelt und sehe mir “Sexy Beast” an. Spanien, Hitze, der blaue Pool. Meine Gedanken schweifen ab: Urlaub, Spanien, Hitze. Blaue Stufen im blauen Pool. Die, meine Welt ist blau.

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Himmelspforte – Höllentor
Mai 30th, 2007

Der Vorhof zur Hölle ist zugleich Durchgangssaal zum Himmel. Ein Raum ohne Dimensionen. Beide Eingänge sind an der Wand, nebeneinander gelegen. Die Wand ist schwarz, zusammengesetzt auch nassglänzenden Steinquadrä(h)tchen, sie spiegelt die toten Lebenden, deren einziger Zeitvertreib (doch was bedeutet Zeit in der Ewigkeit?) darin besteht, mit ihrem Speichel in den Spucknapf zwischen den Lichtzugängen zu zielen. Die Eingänge erscheinen in Größe und Dichte unterschiedlich, obgleich sie exakt dieselben Maße und Masse haben.

Für die Wartenden gilt es, die letzte Entscheidung ihres Lebens oder die erste Entscheidung ihres Todes zu treffen: Durch eine Tür zu treten. Himmelspforte oder Höllentor, das ist die Frage.

Je nach Charakterprägung/Kopflastigkeit/Gedankengänger, je nach gewesener Mensch geht der Wartende nach einer Weile (Zeit? Gibt es hier doch nicht!) auf einen der Lichtzugänge zu und verschwindet darin. Kein Laut verrät den Anderen, was sich hinter den diffusen Wandlöchern verbirgt, ein jeder von ihnen muss selbst entscheiden, wohin er für ewig gehen will: In den Schlund der Hölle, in den Mund des Himmels.

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Die Gefangene
Mai 27th, 2007

Der lichtblaue Himmel spannt sich über die sandfarbenen Zinnen der hohen Burg. Es ist heiss um diese Jahreszeit, doch die Gefangene kann die Hitze hinter den dicken Mauern nicht fühlen. Sie sitzt fröstelnd auf einem kleinen Schemel zwischen weiß getünchten Wänden und blickt seit Stunden, Tagen, Wochen durch einen begrenzten Ausschnitt (ein quadratisches Loch in der Mauer) in die freie Welt. Die Liebe hat sie in die Einsamkeit verbannt und doch kann sie an nichts anderes denken:

Das Blau des Himmels ist das Auge des Geliebten, das zarte Rosa der Mauer ist der Kuss von seinen Lippen, das Schwarz an der Mauerwand ist sein wehendes Haar.

Der Vater wird sie nicht fortlassen von hier, zu groß ist seine Furcht, er könnte die Tochter – die Gefangene – für immer an den Geliebten verlieren. Dass er sie schon verloren hat, weiß er noch nicht. Auch dass die Tochter – die Gefangene – jeden Tag ein wenig blasser, durchscheinender wird, hat der Vater noch nicht bemerkt.

Am Zweihundersten Tag sitzt die Tochter – die Gefangene – nicht mehr auf dem Schemel in dem Zimmer hinter kühlenden Mauern. Sie ist frei und blickt in das blaue Auge des Geliebten, küsst seine rosafarbenen Lippen, streicht ihm durch das schwarze Haar. Sie kann die Hitze jetzt fühlen, wird nie mehr frieren müssen.

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