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Mach(T)en

Oktober 31, 2008 · 1 Kommentar

Die Selbstsucht ist die Wurzel aller anderen Verderbtheit.
Johann Gottlieb Fichte, (1762 – 1814), deutscher Theologe und Philosoph
Quelle : »Reden an die deutsche Nation«, 1808

Entscheidend ist nicht die Frage, ob man Macht hat, entscheidend ist die Frage, wie man mit ihr umgeht.
Alfred Herrhausen (1930-89), dt. Bankier, Vorstandsspr. Dt. Bank

Kommt Macht von machen? In Wikipedia steht dazu „Im Althochdeutschen, Altslawischen und Gotischen bedeutete das Wort Macht soviel wie Können, Fähigkeit, Vermögen.“

Machen jedoch heißt nicht können heißt also wiederum, dass der ähnlich klingende Wortlaut nicht zwingend zusammenhängend ist. Hier seien drei thematische Extreme und zugleich stellvertretende Beispiele beschrieben, die den Unterschied in der Bedeutung hinreichend bis genügend darzustellen vermögen:

Ein Finanzberater macht mir zu einer geldvermehrenden Anlage einen Vorschlag, aber er kann meinen Esel nicht Mist zu Goldmünzen verwandeln lassen.

Ein Umweltpolitiker macht eine Zukunftsprognose zur alternativen Energiegewinnung, aber er kann die bestehenden Emissionen nicht in klares Wasser verwandeln.

Eine restriktive Staatsmacht hält an verkrusteten Strukturen fest, aber sie kann den Freiheitswillen der bürgerlichen Individuen nicht aufhalten.

Machen ist zu tun. Können ist zu tun, wozu man sinnbezogen befugt ist. Also haben Macher nur eine vermeindliche Macht, Könner aber wissen diese Macht weise zu nutzen.

Kategorien: Zitatberichte

Igal asjal on algus ja lõpp

März 28, 2008 · Kommentar schreiben

Igal asjal on algus ja lõpp. Alles hat seinen Anfang und sein Ende.

Kiek in de Koek mit Sonne

Es war Sonne und Blau.
Es war Regen und Grau.
Wie im Leben – mal Sanft, mal Rauh.

Kiek in de Koek

Head aega, Tallinn! Tere Berliin!

Kategorien: Auswärts · Sprache · Tallinn · Zitatberichte

Verbindung

Februar 7, 2008 · 1 Kommentar

Ich werde überhaupt nicht für mich sterben, sondern nur für andere, die Zurückbleibenden, aus deren Verbindung ich gerissen werde. Für mich selber ist die Todesstunde Stunde der Geburt zu einem höheren, neuen, herrlichen Leben.

Johann Gottlieb Fichte, (1762 – 1814), deutscher Theologe und Philosoph

Es sind Zwei, deren einzige Gemeinsamkeit darin besteht, dass ihre Seelen zur selben Stunde an zwei weit voneinander gelegen Orten die irdischen Hüllen verlassen haben. Der Tod des einen hat mich bewegt, der Tod des anderen schmerzt und eben dieser Schmerz, die Trauer um den Verlust, wird ein wenig länger in mir bleiben.

Gibt es Trost für uns, die wir weiter im Diesseits wandeln? Die Verstorbenen sind im begrenzten Raum und Zeitgefüge unserer Welt nicht mehr real existent, aber sie leben in unseren Erinnerungen hinfort. Alles Körperliche am Menschen mag vergänglich sein, sein Wesen ist jedoch unsterblich, wenn es eine Persönlichkeit hat. Die Unsterblichkeit der Persönlichkeit ist es, nachdem wir ein Erdenleben lang streben. Eine Persönlichkeit ist, wer Liebe gegeben, wer Liebe empfangen hat. Der Eintritt in das Edenleben ist gewiss, wenn es gelungen ist, zu einer Persönlichkeit geworden zu sein, die zu Lebzeiten geliebt worden ist und auch über den Tod hinaus mit Liebe bedacht wird.

Es ist ein Trost, mit meiner Erinnerung die Liebe zu fühlen und zu wissen, dass diese Bande bestehen – bis in die Ewigkeit.

Kategorien: Saloniere · Zitatberichte

Zum Zitat notiert

Dezember 30, 2007 · Kommentar schreiben

Per Zufallsklick durch den Zitatewald und nach Kategorie wie auch Autor sortiert, zur Schau gestellt und versuchsweise Kommentare zu weisen Worte und wortbildernen Allegorien gebildet. Heute zu Gast:

„Und ich erzog mir die Sprache zum Bösewicht.“
Herbert Achternbusch (*1938), dt. Filmemacher u. Schriftsteller

Verletzende Worte, spitze Zunge, ätzende Sätze, vergifteter Tonfall. Die Sprache als ausführendes Organ der bösen Macht, tötet wie ein pfeilschnelles Präzisionsgewehr auf den Buchstaben genau. Vor der Bluttat steht der Befehl. Jeden Tag ein hinterhältiger Meuchelmord. Üble Nachredefetzen wabern aus der Gerüchteküche und würgen an der Würde des im Gespräch Gemeinten. Manipulation der Massen mittels propagandagesteuerten Reden an die Nation. Ein Wort – ein Dolchstoss – ein gesellschaftlicher Untergang.

Kategorien: Literatur · Zitatberichte

Das Wort zum Sonntag

November 11, 2007 · Kommentar schreiben

„Auch mit edlen Ideen kann man die Welt verwüsten.“
Jiddisches Sprichwort

Jedweder Versuch, Gutes in die Welt hinauszutragen, kann zunichte gemacht werden, indem die durchaus ehrenwerte Absicht sich als eine zerstörerische herausstellt. Erkennt und bereut der Unglückliche die verhängnisvolle Wirkung seiner Handlung (mag sie sich auch nur im Stadium einer Kopfgeburt, sprich Idee befinden), so versucht er die Folgen durch das Leisten einer Abbitte ungeschehen zu machen – oder er sucht, so er keinen anderen Ausweg sieht – die Rettung in der Selbstaufgabe.

So wie der Chemiker R. Herr R. baute kleinste Moleküle zu neuen Strukturen zusammen. Er spielte – so kann man sagen – mit dem winzigsten Baukasten der Welt und setzte die darin befindlichen Bauteile nach Herzenslust zusammen. Zufällig war er eines Tages auf eine neue energieerzeugende Verbindung gestossen, die umweltschonend und für jedermann nutzbar zu sein schien. Er meldete ein Patent an und verkaufte seine Erfindung einem großen Energiekonzern, der versprach, das neue Gut für alle Menschen gewinnbringend anzulegen.
Eines Tages wurde in den Nachrichten die schreckliche Meldung gebracht, dass eine ganz neue Art chemischer Kampfmittel im Bürgerkrieg im Staate S. aufgetaucht sei. Die Wirkung dieser unsichtbaren mJUh-Waffe sei so katastrophal, weil sie erst Stunden später einsetze und die betroffenen Personen von innen heraus lähme und schließlich zu einer betonartigen Maße werden ließe. Auch könne niemand wissen, ob er das Gift gerade einatme, da es vollkommen farb- und geruchlos sei. Als Herr R. die bösen Neuigkeiten vernahm, fuhr es ihm eiskalt durch die Glieder. Er suchte seine Aufzeichnungen zu den Molekül-Strukturen seiner „Erfindung“, fügte zwei Atome H und drei Atome O sowie ein Atom He hinzu, und wurde gewahr: Er hatte eine gefährliche – vielleicht die gefährlichste – Waffe auf dieser Erde erschaffen.
Herr R. wurde seiner Tage nicht mehr froh, zog sich von den Menschen und ihren Mitteilungen zurück und trank nur noch ein paar Tassen schwarzen Tees. So wurde er immer dünner, ein paar Wochen nur und er war nur noch ein Hauch und schließlich zerstob ein Luftzug die letzten Nebelfäden, die von Herrn R. übrig geblieben waren. Die Idee jedoch, edel im Anfang und zerstörerisch in der Wirkung, konnte nicht verschwunden gemacht werden und blieb der Welt bis zum bitteren Ende erhalten.

Kategorien: Film · Zitatberichte

Zitatberichte: Für R&K

Oktober 22, 2007 · Kommentar schreiben

„Der lebt nicht, dessen Haupt nicht im Himmel steht, auf dessen Brust nicht die Wolken ruhen, dem die Liebe nicht im Schoß wohnt und dessen Fuß nicht in der Erde wurzelt.“
Clemens Brentano (1778-1842), deutscher Dichter

Es gibt eine Zeit, in der wir um unser Leben und um das Leben des geliebten Anderen kämpfen. Das einzige, was wir uns wünschen, was wir mit Haut und Haar haben wollen, ist, dass das gesunde Blut wiederweiter durch unseren Körper und die Adern des geliebten Anderen fließt und uns mit Leben berauscht.

In dieser Zeit musst Du und Du mit Deinem Kopf in den Himmel nicken
und von der Sonne das Glück belecken,
sollst Du und Du Deine Brust auf Wolken betten,
die Dich und Dich stützen.
In dieser Zeit musst Du und Du mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen,
um die Kraft der fruchtbaren Erde aufnehmen zu können,
sollst Du und Du die Liebe in Dir tragen und sie trotzig zeigen,
und Du und Du wirst das Leben weiterl(i)eben.

In tiefer Zuneigung zu Dir und Dir: Für R&K.

Kategorien: Literatur · Zitatberichte

Zitatberichte: Fichte I

August 27, 2007 · Kommentar schreiben

„Die Selbstsucht ist die Wurzel aller anderen Verderbheit.“

Es ist so eine Sache mit dem Beenden von Beziehungen. Der Zeitpunkt ist immer unpassend, die Erklärung des „Warums“ ebenso. Der geschmähte Partner tut so, als käme das Ende überraschend, alle Zeichen der seit Wochen heranziehenden Schlechtwetterfront ignorierend.
Als ich mit Marie in den Park ging, versuchte ich meine Nervosität ob der bevorstehenden Nachricht, meiner Nachricht an sie, so gut wie möglich zu überspielen. Zumindest solange wollte ich meine Pose wahren, bis wir unseren grünen „Salon“ erreicht hätten. Ich war mir nicht sicher, ob Marie tatsächlich so ahnlungslos war wie sie erschien; sie wirkte absolut unbeschwert und plauderte von diesen und jenen Belanglosigkeiten.
Kurz bevor wir den „Salon“ erreichten, überprüfte ich, ob alles wie geplant verlaufen würde: Keine Menschenseele in der Nähe würde die Worte, die ich an meine Noch-Freundin richtete, erlauschen können. Marie war bereits verstummt und blickte mich mit scheuen Augen fragend an. Die dunklen Wolken waren längst aufgezogen, regenschwanger. Ich setzte mich auf die versteckte Bank zwischen blühenden Hecken und suchte nach dem geeigneten Anfang meiner blutigen Rede, hatte ihn verloren, obwohl ich die ersten Worte mindestens 124 mal im Kopfkino abgespult hatte. „Was ist denn los?“ fragte Marie in die bleierne Stille hinein und ich fing an zu sprechen, ohne von ihr wirklich Notiz zu nehmen. Ob meine Worte weich oder hart, gut oder schlecht gewählt waren, weiß ich nicht mehr, es war mir vollkommen gleichgültig, ob ich sie verletzte, ich wollte nur klären, mich reinigen von der eigenen Qual des monatelangen Geheimnisses.
Ich kann nicht mehr mit Dir zusammensein … Es war eine schöne und wichtige Zeit, die ich mit Dir hatte, aber ich liebe Dich nicht mehr … Ja, ich bin verliebt in eine andere, in H. … Aber das hat doch nichts mit Dir zu tun, ich weiß auch nicht, es ist mir einfach passiert … Es tut mir so leid, ich kann es aber nicht ändern, ist eben so … Das musst Du eben akzeptieren …
Es war das Gespräch, wie es schon unzählige Male von sich trennenden Paaren geführt worden ist, die Reihenfolge der Sätze variiert vielleicht, der Inhalt ist jedoch nahezu derselbe. Auch das Szenario der Gefühle ist dasselbe: Ungläubiges Staunen auf der anderen Seite, gefolgt von Schlucken, Schluchzen, Weinen, Flehen. Sinnlose Fragen zum „Warum tust Du mir das an“ mit zitternd-gebrochener Stimme , die zunehmend lauter, fast wütend wird. Und schließlich die bohrenden Fragen nach der Anderen.
Die Andere war für mich als Hirngespinst zu lebendig als Geliebte zu weit weg. Tatsächlich hatte ich mich verliebt, aber die Andere wusste nichts davon. Ich hatte versucht dagegen anzukämpfen, hatte Begegnungen mit ihr bewusst vermieden, bin ihr ausgewichen, wann immer es möglich war, hatte mich auf Marie konzentriert, fixiert, meine Liebe zu ihr eingeredet jede Nacht. Hatte ein halbes Jahr oder länger gegen meine Gefühle gehalten und konnte schlußendlich doch nichts anderes tun als zu kapitulieren. Ich konnte mit Marie nicht mehr zusammensein, konnte ihre Nähe nicht mehr ertragen, auch wenn ich die Andere vielleicht niemals haben sollte.
Plötzlich stand sie, die Andere, H. vor uns. Unheimlich aufgetaucht aus dem satten Grün des Dickichts, starrte sie mich an auf ihrem Fahrrad. Aus ihren Augen sprach Abscheu vor meinen bösen Worten. Da wusste ich: Niemals mehr würde ich eine Liebe erlangen, nicht die Neue und die Alte auch nicht mehr. Ich hatte die Liebe auf ewig verdorben, mein Herz vergiftet, ich hatte erkannt: Es gibt nur mich in meinem Weltenall.

Kategorien: Literatur · Zitatberichte