Texstile Kundgaben

Verschwitzte Papiere wieder sichtbar machen

Juni 1, 2009 · 1 Kommentar

Sprachen sind grenzenlos, kommen doch viele Wörter des täglichen Gebrauchs aus anderen Sprachen und bereichern den nationalen Wortschatz ungemein. Augenfällig wird die internationale Verwendung von Begriffen insbesondere dann, wenn muttersprachliche Worte und Wendungen in Fremdsprachen  ihren Eingang gefunden haben. So ist es amusant, wenn eine Gruppe Jugendlicher in einem Planetarium in L.A. sitzt und ein Mädchen auf den Nieser ihres Sitznachbarn mit „Gesundheit“ antwortet. So gesehen in der englischen Original-Vertonung von „Rebel Without A Cause“ aka „Denn sie wissen nicht, was sie tun„. Im umgekehrten Fall verhält es sich jedoch oftmals so, dass fremdsprachliche Begriffe mit der eigenen Muttersprache meist so untermischt sind, dass ein Gebrauch derselben selbstverständlich und beiläufig passiert.. Die sprachliche Integration ist somit vollständig abgeschlossen und kann nur durch direktes Daraufstossen mit der Nase resp. der Lesebrille wieder sichtbar gemacht werden.

Ein Beispiel: Deutsche Lehnwörter aus dem Jiddischen sind besonders klangvoll und haben oftmals eine leicht verschmitzte Bedeutung.

Das Schlamassel fängt meist damit an, dass die meschugge Mischpoke aus dem Kaff, dem man vor Jahren entflohen ist, zu Besuch kommt. Da wird viel Stuss und Schmonzes erzählt, denn Tacheles zu reden würde nur für Zoff sorgen. Das Techtelmechtel zwischen dem Herrn Papa und seiner Schickse wird ebensowenig erwähnt, wie der Reibach, den der Herr Onkel mit dem Verkauf von Tinnef und Ramsch zu machen versteht. Lieber sprechen die Herren Brüder großkotzig von ihrer Schulzeit, als sie Schmiere gestanden haben, und den Schmock der Schule dabei erwischten, wie er der Lehrerin eine Schmonzette aus ihrer Tasche klaute. Anstatt ihn zu verpetzen dachten sich mein Vater und sein Bruder etwas mit Chuzpe aus: Der Ertappte musste für die beiden malochen, solange er mit ihnen auf der Schule war. Er beschimpfte die beiden zwar als Ganoven, hatte aber stets Bammel, dass sie ihn verraten könnten. Kein Wunder also, dass die beiden auch in späteren Jahren recht ausgekocht zu Werke gingen.

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