Texstile Kundgaben

Beiträge vom Juni 2009

Rollenspiele

Juni 29, 2009 · 2 Kommentare

Ich bin eine Rolle. Herumrollen gehört zu meinem Leben: Es ist wie mit der Fruchtfliege im Limonadenglas, wie mit dem Autobus um halb 7 an der Haltestelle „Nordstation“, wie mit dem Stau auf der Stadtautobahn. Es rollt überall, und überall rollt es anders, obwohl doch alles aus denselben kleinsten Teilchen zusammengesetzt ist.

Wie gesagt, auch ich rolle. Zu hause anders als im Büro, mit Freunden anders als mit Kunden, als Tochter anders als eine Schwester als eine Mutter als eine Großmutter. Was mich (und andere humane Rollenspieler) angeht, ist mein und unser Herumrollen etwas  Alltägliches, Normales, vielleicht sogar eine Art Überlebensstrategie, jede Rolle ein Schutzmantel gegen zuviel Verletzlichkeit und eine Orientierungshilfe im Chaos.

Wenn ich jedoch Theater spiele, obwohl ich kein Schauspieler bin, wenn ich verschiedene Personen in einem Körper bin, wenn verschiedene Seelen in mir wohnen, so spricht der Psychologe von dissoziativer Identitätsstörung (im Volksmund auch multiple Persönlichkeitsstörung genannt). Dann ist mein Kopf ein Tollhaus, dann bin „ich und die anderen und das verwirrt vor allem diejenigen, die aus der äußeren Welt kommen und mit meiner inneren Welt zu kommunizieren versuchen. Wenn ich also „me, myself & I“ bin, wenn ich Du, er, sie und wir wie Ihr bin, männlich, weiblich, metrosexuell, ein Kind, ein Teenager, ein Mitt-Vierziger und ein Greis, dann steht die Welt Kopf, und das Rollenspiel funktioniert nicht mehr kontrolliert, sondern findet spontan und fast willkürlich statt.

Ich bin meine Rollen. Und Herumrollen gehört zu unseren Leben: Es ist wie mit den Fruchtfliegen im Limonadenglas, wie mit den Autobussen um halb 7 an den Haltestellen „Nordstation“ und „Südstation“, wie mit den Staus auf der Landstraße stadteinwärts und der Stadtautobahn landauswärts. Es rollt überall, und überall rollt es anders, obwohl doch alles aus denselben kleinsten Teilchen zusammengesetzt ist.

Wie gesagt, auch wir rollen …

Kategorien: Humoreske

deutsch cell

Juni 22, 2009 · Kommentar schreiben

Letzter Auftritt in diesem Reigen. Dieses Mal wird der zunächst gänzlich sinnfreien erscheinenden Begriffsuche „deutsch cell“ in Wort und Schrift Rechnung getragen. In einer eingehenden Analyse soll erläutert werden, wie es zu dieser sprachlichen Vermischung aus dem Deutschen „deutsch“ mit dem Englischen „cell“ kommen konnte.

Ad 1: Die augenscheinliche Erklärung. Der Benutzer, der die oben genannten bilingualen Begriffe eingegeben hat, beabsichtigt, in Kürze nach Deutschland zu ziehen und möchte sich vorab darüber informieren, welche Mobilfunknetze sowie Tarife in diesem Land zur Verfügung stehen. Die Kombination aus „deutsch“ und „cell“ ist der sprachlichen Vielfalt im mobilen Telekommunikationsbereich geschuldet, und der Nutzer, der der deutschen Sprache noch nicht mächtig ist, konnte aus dem telekommunikativen deutschen Wortsalat nicht schlau werden (Mobiltelefon, Mobilfunktelefon, Handy etc.) und hat deswegen die im englischen Sprachgebrauch übliche Bezeichnung „cell“ gewählt.

Ad 2: Die Verschwörungstheorie. Eine „cell“ zu deutsch „Zelle“ bezeichnet eine nicht genau definierte oder auch unbekannte terroristische Einheit, die im Verborgenen agiert und deren Ziel es ist, durch die Androhung und Ausführung extremer physischer Gewalt, insbesondere den Staat und dessen Organe unter Druck zu setzen. Vielleicht also hat ein BKA-, BND- oder Verfassungsschutz-Beamter diesen Begriff in Sprachkombination eingegeben, um konspirierende Gruppen anhand eines verschlüsselten Kodex ausfindig zu machen.

Ad 3: Der wissenschaftliche Ansatz. Ein biologisch interessierter Benutzer hat diesen Begriff eingegeben, um mehr zum Stand der deutschen Stammzellenforschung herauszufinden. Da der englische Begriff „stem cell research“ nicht minder kompliziert ist, hat der Suchende eine zweisprachige Vereinfachung gewählt in der Hoffnung, dass die Suchmaschinentreffer ihn zu seinem Thema führen werden.

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Strahlend grüner Nietengürtel, Handtasche mit Sonnenblumen

Juni 10, 2009 · 1 Kommentar

ich bin der einzige wenn sie mit ihr alle beide da sein brauchen mich was soll ich bloß machen passen sie auf sich auf tapfer zu sein so ein mist neonatalen übernehmen ihr vater liegt im sterben eine 70jährige irrational ganz legitime private gründe ich glaub es ist verwirrend beängstigend sein triff dich mit wem du willst aber ich finde du solltest darüber nachdenken höhepunkt meines tages denken sie ich hab kein mitgefühl bei patienten werden sie sterben entweder er lässt oder lässt seinen zweijährigen sohn erfolgreich bekämpften etwas anderes als mukoviszidose es ist trotzdem den versuch wert ich bin arzt nicht bereit umzuziehen bereit zu einer wöchentlichen untersuchen werden wir weiter sehen dass ich mich um dich kümmere aber wir wollen bitte setz mich nicht unter druck ich nehm die beine es war eine transistorische aufgeregt habe und ein arzt sagt es geht dir nicht gut sie kann bleiben tut mir leid ich bin ich kann reden sie mit ihrem sohn er wird es verstehen alles ist besser als das ich bin nicht allein ich habe jemanden hier ich hatte angst es dir zu sagen sag es mir ihre mutter ist verliebt ich verstehe dass du hier jemanden brauchst verrückte reaktion schon jahre zusammen ins kino gehen abschalten die leine die auszugehen und zu relaxen wär besser gewesen du willst dich mit anderen frauen treffen was ist denn passiert es gab eine zeit da hast du nudeln von meinem nackten körper gegessen was ist mit uns los?

ganz clever abfeiern fühlen sie sich schön sprühend leicht geniessen sie neu für spürbar poolparty mit dem würzigen das neue album hi papa hi prinzessin das ist tom hallo planbar ein zu hause austrocknen und das sofort und bekämpft denk an dich besonders immer wieder schön funktioniert imme extra das internationale und styling volumen spaß

und sie war ich konnte mich nicht beherrschen das ist manchmal das schwerste er kann es doch verstehen er liebt sie das wird schon sind atome freie elektronen seid wann gestern fürs lernen keine zeit hattest es war nicht unangenehm du wirst sie auch mögen amüsiert sich nur sie liebt pferde hat sie sich nicht mehr so kann sie ja anrufen er macht sich sorgen soll sich aber es geht mir gut und wenn er sich fängt er an zu husten er fehlt dir ich will meinen dad er soll jetzt kommen ich wollte dir nur sagen ich kümmere mich gut um dich testen ich will nur hoffentlich funktioniert es der streit ging um geld niemals um liebe gegangen ich bin noch verbittert erst ist die große liebe und dann ist sie hin würden sie vielleicht mal mit mir essen gehen liegt es an mir oder an dem polizisten ich bin nicht hier und irre schwül hi die ärzte haben ihm 6 monate gegeben tja wie schon entscheiden was ihn betrifft etwas höflicher was willst du hier inmitten meiner düsteren südstaatentragödie nicht mal ins zimmer er ist gar nicht mehr da ethisch moralisch medizinisch richtig abschalten und aus es macht mir nichts aus ich bin nicht verrückt oh hallo danke dass sie gekommen wenn es das ist was sie wollen wie blöd ich war jeder moment fussball gespielt meinen sie ich will darüber nachdenken?

Frage an die geneigte Leserin: Um welche Serie handelt es sich?

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3mal Lebensminuten

Juni 1, 2009 · Kommentar schreiben

Manchmal ändert sich das Leben, und damit ändern sich auch die Geschichten. Erstens und schon länger erzählt: Ein zweisprachiger Seifen-Blogroman in einer Endlosschleife aus Liebe und Leidenschaft, Lügen und Intrigen. On one hand a bilingual life is a soap blog with endless stories about love and passion, lies and intrigues.

Damit nicht genug – neben den Soapies gibt es jetzt genug Lebensstoff zum Querlesen.

X-reading I

Friedhofsgeschichten sind Erzählungen aus und über das Leben vor der ewigen Ruhe: Bekanntes über Unbekannte und Unbekanntes über Bekannte, über Liebe und Hass, über Wohl und Wehe, über Glück und Leid, über Freude und Trauer, über Reichtum und Armut, über Leben und Tod.

X-reading II

Geschichten durch die Medienbrille gesehen: Die Presse hält dem Leben den Spiegel vor, die Medien leben vom Leben.

Alles dreimal anders auf Life Minutes.

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Verschwitzte Papiere wieder sichtbar machen

Juni 1, 2009 · 1 Kommentar

Sprachen sind grenzenlos, kommen doch viele Wörter des täglichen Gebrauchs aus anderen Sprachen und bereichern den nationalen Wortschatz ungemein. Augenfällig wird die internationale Verwendung von Begriffen insbesondere dann, wenn muttersprachliche Worte und Wendungen in Fremdsprachen  ihren Eingang gefunden haben. So ist es amusant, wenn eine Gruppe Jugendlicher in einem Planetarium in L.A. sitzt und ein Mädchen auf den Nieser ihres Sitznachbarn mit „Gesundheit“ antwortet. So gesehen in der englischen Original-Vertonung von „Rebel Without A Cause“ aka „Denn sie wissen nicht, was sie tun„. Im umgekehrten Fall verhält es sich jedoch oftmals so, dass fremdsprachliche Begriffe mit der eigenen Muttersprache meist so untermischt sind, dass ein Gebrauch derselben selbstverständlich und beiläufig passiert.. Die sprachliche Integration ist somit vollständig abgeschlossen und kann nur durch direktes Daraufstossen mit der Nase resp. der Lesebrille wieder sichtbar gemacht werden.

Ein Beispiel: Deutsche Lehnwörter aus dem Jiddischen sind besonders klangvoll und haben oftmals eine leicht verschmitzte Bedeutung.

Das Schlamassel fängt meist damit an, dass die meschugge Mischpoke aus dem Kaff, dem man vor Jahren entflohen ist, zu Besuch kommt. Da wird viel Stuss und Schmonzes erzählt, denn Tacheles zu reden würde nur für Zoff sorgen. Das Techtelmechtel zwischen dem Herrn Papa und seiner Schickse wird ebensowenig erwähnt, wie der Reibach, den der Herr Onkel mit dem Verkauf von Tinnef und Ramsch zu machen versteht. Lieber sprechen die Herren Brüder großkotzig von ihrer Schulzeit, als sie Schmiere gestanden haben, und den Schmock der Schule dabei erwischten, wie er der Lehrerin eine Schmonzette aus ihrer Tasche klaute. Anstatt ihn zu verpetzen dachten sich mein Vater und sein Bruder etwas mit Chuzpe aus: Der Ertappte musste für die beiden malochen, solange er mit ihnen auf der Schule war. Er beschimpfte die beiden zwar als Ganoven, hatte aber stets Bammel, dass sie ihn verraten könnten. Kein Wunder also, dass die beiden auch in späteren Jahren recht ausgekocht zu Werke gingen.

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