Texstile Kundgaben

Beiträge vom Februar 2009

Halb Sein

Februar 22, 2009 · 1 Kommentar

Ein ganzes Etwas Mensch zu sein erfordert mitunter die Kraft von
Zehntausend Pferden (Automobilistische Defintion)
Zweitausend Ochsen (Bezwingeristisch, el Torro – der Stier)
Einmal Will Smith sein (Held, höchstbezahlter us-amerikanischer Schauspieler)

Ein Halbes ist immerhin etwas. Etwas in Halb von einem Ganzen ist:
Half Nelson – ein Lehrer jenseits von – von dem, was.

Manchmal ist ein Halbes leider nichts Ganzes – so gesehen mit The International.

Filmlastig ist es heute. Kein Wunder befinden wir uns doch zur Zeit zwischen Berlinale und Oscar, und alle Welt (zumindest die unsere) schaut hin, deshalb sollen auch hier zelluloidgebannte Geschichten im Mittelpunkt des schreiberischen Geschehens sein.

Halb sein ist immer dann der Fall, wenn wir aus dem Dunkel des geschützten Kinoraumes zurück in die Realität kehren müssen. Eine eigentlich fremde Geschichte ist in knapp 2 Stunden die unsere geworden, wenn denn der Erzählstrang so mitreissend gewesen ist, dass wir uns in der künstlich erzeugten Weite des Filmtheaters tatsächlich verloren haben. In diesem Fall leben wir mit

der bis zum Ende ungeklärten Beziehung zwischen dem Protagonisten und dem zugedachten Partner
den komplizierten Verstrickungen des Helden
den historischen Irrungen und
den aktuellen Verwirrungen.

Kurz gesagt sind wir im Fim halb-ich und halb-anderer, also sind wir halb-sein, und die Identifikation mit dem wie es auf (gar keinen oder auf jeden Fall) sein sollte ist groß, und halb-halb macht somit alles einfacher, weil es hilft,
a) Pläne für eine eigene bessere Zukunft zu spinnen
b) Pläne für eine eigene schlechtere Zukunft erst gar nicht zu spinnen

Scheinwerfer an und aus – raus!

Kategorien: Film · Textperimente

Texstile Parteien de

Februar 8, 2009 · Kommentar schreiben

Es ist so eine Sache mit den Plänen. Eine Idee wird zum Plan wird zum Projekt. Die Ideen sind vielfältig bis unzählig, die Pläne nehmen gedanklich eine Form an, und ein Projekt folgt. Aber der Plan, dieser Mittler zwischen innerem und äußerem Erleben, fällt mehr oder weniger konkret aus. So gibt es Pläne, die im Kopf umherschwirren und nach Verwirklichung schreien. Aber in den Projekten des alltäglichen Diesundjenestun rücken sie in eine schwer realisierbare Ferne.

Ein Plan steht und fällt mit der Entscheidung ein wirkliches Projekt daraus zu spinnen. Wenn die Entscheidung nicht bissfest getroffen wurde, so ist der Plan ein Plan und das Projekt nur halbgar und ungenießbar. Partei für den Textstilismus zu ergreifen ist im Augenblick nur mein Plan, der einer jahrelang gereiften Idee entsprungen ist. Die Entscheidung, diesen Plan in greifbare Resultate umzusetzen, steht noch aus.

Bleibt noch Wunsch und Wille. Und damit wird es höchst kompliziert. Denn: Wenn am Anfang die Idee steht, die vielleicht sogar einen Plan gebiert, dessen Umsetzung mit einem großen Wunsch verbunden ist, so ist der Wille zur Realisierung nicht unbedingt schon ausgeprägt genug, um die endgültige Entscheidung zu treffen. Denn Wünsche sind frei, der Wille aber wird beeinflußt durch äußere Umstände, denen ein Geflecht und Gefecht aus Gefühl und Vernunft zugrunde liegt.

Was also ist die Quintessenz aus diesem Text? Halte Deinen Willen gepaart mit Ratio unverbindlich, verquicke Wunsch und Gefühl, dann wird Idee zu Plan zu Projekt – dann wird der Texstilismus Deine Entscheidung sein. Oder?

Kategorien: Projekt · Salon · Suchmaschinenlogik

Jugend ohne Ziel

Februar 5, 2009 · 1 Kommentar

Berlin ist eine junge Kapitale und Hauptstadt der Kreativen, der Ideen, der Politik – und der Jugendlichen, die hier ein Leben ohne festen Wohnsitz führen. In keiner anderen deutschen Großstadt leben so viele Minderjährige zeitweilig auf der Straße. Sie sind von zu hause abgehauen, weil sie hoffen, damit ihrer persönlichen Hölle entkommen zu können.

Das ist arm, aber gar nicht sexy.

Es ist ein Leben außerhalb der Norm, das diese Teenager gezwungen sind zu leben. Gezwungen deshalb, weil selbst in einem sozialen Land wie Deutschland vieles hinter verschlossenen Türen möglich ist, woran wir noch nicht einmal in unseren schlimmsten Albträumen denken möchten. Ein Leben daheim kann für manchen jungen Menschen trotzdem ein Leben ohne Familie sein – gerade weil die Angehörigen ganz furchtbar physisch anwesend sind.
Wenn Gewalt, Trunkenheit oder sexueller Mißbrauch über Jahre hinweg traurige Bestandteile des kindlichen Alltags werden, und wenn keine Hilfe von außen kommt, wenn niemand sieht, sehen will oder sehen kann, was da passiert, dann gibt es mitunter nur die Flucht nach Irgendwo für dieses Kind, sobald es zum Jugendlichen herangereift und vermeintlich erwachsener, stärker ist.

In meinen nächsten Beiträgen will ich die Situation dieser „Jugend ohne Ziel“ genauer beleuchten, da die gesellschaftliche Verantwortung für diese Kinder und Jugendlichen weit über die Grenzen der eigenen Familie bzw. des eigenen sozialen Umfeldes hinausgehen sollte. In den Posts werde ich mich eher mit den Auswirkungen auf die Gesellschaft denn mit konkreten Fallbeispielen beschäftigen – schließlich werden uns insbesondere aufgrund der Berichterstattungen verschiedener privaten Fernsehanstalten genug „anschauliche“ Schauermärchen serviert, deren einziger Zweck darin besteht, Einschaltquoten mittels „Grusel-Ekel-Faktor“ zu generieren ohne jedoch den gesamten sozialen Kontext einzubeziehen.

Dieser Post ist im Vor-Rahmen des „Der Freitag“ Community-Blog-Launches verfasst worden und eben dort erschienen.

Kategorien: Kritik : Kritik