Texstile Kundgaben

Beiträge vom Oktober 2007

Zitatberichte: Für R&K

Oktober 22, 2007 · Kommentar schreiben

„Der lebt nicht, dessen Haupt nicht im Himmel steht, auf dessen Brust nicht die Wolken ruhen, dem die Liebe nicht im Schoß wohnt und dessen Fuß nicht in der Erde wurzelt.“
Clemens Brentano (1778-1842), deutscher Dichter

Es gibt eine Zeit, in der wir um unser Leben und um das Leben des geliebten Anderen kämpfen. Das einzige, was wir uns wünschen, was wir mit Haut und Haar haben wollen, ist, dass das gesunde Blut wiederweiter durch unseren Körper und die Adern des geliebten Anderen fließt und uns mit Leben berauscht.

In dieser Zeit musst Du und Du mit Deinem Kopf in den Himmel nicken
und von der Sonne das Glück belecken,
sollst Du und Du Deine Brust auf Wolken betten,
die Dich und Dich stützen.
In dieser Zeit musst Du und Du mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen,
um die Kraft der fruchtbaren Erde aufnehmen zu können,
sollst Du und Du die Liebe in Dir tragen und sie trotzig zeigen,
und Du und Du wirst das Leben weiterl(i)eben.

In tiefer Zuneigung zu Dir und Dir: Für R&K.

Kategorien: Literatur · Zitatberichte

Briefe aus Estland, ab 2008

Oktober 18, 2007 · 4 Kommentare

Eiszapfen. Riesig große weiß-silbrig glänzende Eiszapfen. Ein gefrorener Wasserfall. Warmer Atem trifft auf bitterkalte klare Luft. Dunkelheit, erfrischend.

Sauna. Heißtrockene Luft, heißer und feuchter durch Aufguß. Saunakultur. Schummriges Dämmerlicht, entspannend.

An diesem Ort werden Texte geboren. Ideen gesponnen, verfeinert und in Pläne verpackt. In Tallinn werden Klänge einer anderen Sprache aufgenommen und zu neuen VerSatzstücken verpackt.

Ab 2008, Januar, Februar, März gibt es Auswärtsberichte der texstilierten Art. Briefe an die Leser, Geschehnisse aus einer anderen Weltzeit (+ 1 Stunde MEZ).

Kategorien: Auswärts · Kundgabe · Tallinn

Virales Marketing

Oktober 13, 2007 · Kommentar schreiben

Die neue Strategie von Werbeagenturen heißt „Virales Marketing„. Was sich hinter diesem Zauberwort verbirgt, erklärt Kollege Vader einfach unwiderstehlich:

Agentur Todestern, Agentur für Virales Marketing, Stuttgart, Deutschland

Anschauliche Beispiele gibt es einige. Besonders empfohlen seinen hier folgende Kurzfilme:

yogi173, Jürgen, Bruce

Angeln, Auto oder Kaffee?

Das Badezimmer

Zu guter letzt die Theorie auf 3sat. Hat die Autorin etwa ganz im Sinne viraler Marketingstrategen diesen Artikel weniger geschrieben und mehr als Vermarktungsinstrument angelegt?

Kategorien: Film · Humoreske

Eva Germania und Johannes Kraut

Oktober 10, 2007 · Kommentar schreiben

So ist das in Deutschland: Wir haben uns intensiv mit unseren historischen Makeln beschäftigt und wissen jetzt nach einem Satz schon, wer national/sozialistisches Gedankengut in sich trägt. Ein Zitat reicht (spart Zeit und bringt ordentlich Quote – äh Ärger) und ich identifiziere den Nazi in Eva sofort. Da gibt es nichts mehr zu deuteln, denn nicht nur ich habe es erkannt, sondern auch viele andere aufmerksame Bürger. Frauen und Männer, rothaarige Schauspielerinnen der 68er Generation, Moderatorinnen mit Steuerzahlungsproblemen, Historiker mit Zuhörschwäche, Journalisten der dpa. Und Johannes Kraut alias Johannes B. Kerner, bekannt durch seine moralinsaure Quasselsendung , weiß am allermeisten, wer wie ist und wer wie sein sollte. Doppelzüngig und sich selbst widersprechend morderiert und massakriert dieser blonde Schwiegermutterliebling nun schon einige Jahre eine mir unverständlicherweise beliebte „Talg Schau“ (ja, es trieft nur so vor talgigen Aussagen dort).

Gib mir einen Satz und ich sage Dir, wer Du bist. Nun – im Falle Kerner – musste der Kaffeesatz aus einem doppelten Expressivo von mir gelesen werden, damit sich mir die Wesensart des Todschwätzers wahrhaftig offenbart hat: Wie war das noch? Die Frau Kerner hütet das traute Heim und 3 Kinder. Dazu wollte er sich nicht äußern, der Schlingel, und hat sich schließlich doch nicht zurückhalten können: Kaum dass er weitere 10 Minuten in Eva Germania Herman insistierte zu gestehen (Sei geständig, Weib!), fiel ihm plötzlich ein, dass die Frau von heute nicht gerne auf Heim und Herd beschränkt werden wolle (für Kommunikationswissenschaftler einzusehen in der ZDF Mediathek). Herr Kraut spricht wie die Worte gerade (ge)fallen.

So ist das in Deutschland: Bevor wir uns mit unserer Geschichte der letzten 100 Jahre auseinandersetzen, werfen wir lieber alle Begrifflichkeiten in einen Topf (Konservativismus, Faschismus, Nationalsozialismus, Werte, Kommunismus, Feminismus), rühren einmal um und fertig ist das Nazi-Stasi-Höllengebräu. Das können dann die auslöffeln, die sich durchs Zitieren ihres Wortsalates haben erwischen lassen. Und wir haben erst mal wieder ein paar Wochen Ruhe – bis zur nächsten Hexenhatz.

Kategorien: Kritik : Kritik