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Beiträge vom August 2007

Wahrlich Kurzgehaltenes oder: Blauer Mist

August 30, 2007 · Kommentar schreiben

Was ist blau?
Lau?
Bau?
Au?
Hau, Sau, Tau, Mau, Rau, Frau, Stau, Gau, Grau, Rot. Falsch. Noch mal von vorn, bitte.

Was ist blau?
Blau sind die Männer und Weiber zum Feste.
Blau, mein Lieber, sind sämtliche Gäste.
Sie rutschen und fallen,
sie singen und lallen,
sind ganz und gar blau -
nicht einer ist nüchtern – wow!

Noch mal von vorn bitte.
Azur, Jeans, Auge, Himmel, Wasser, Schwertlilie, Enzian, Note, Reiter, …

—————————–

Mist = Englisch für Nebel
Mist? Haufen!
Mist elzweig
Mist? Gabel!
Mist er
Mist? bauen!

Kategorien: Wortspielchen

In der Welt liegt Komik

August 30, 2007 · Kommentar schreiben

Die Autoren des Das Magazin verstehen es, das alljährliche Sommerloch auf das Köstlichste zu füllen: Sie besuchen die komischen Orte dieser Welt um darüber zu berichten, was alles (un)möglich ist.

Der Leser der Sommerausgabe Juli-August 2007 darf in das unbekannte Nordkorea reisen und sich dort auf eine Rundfahrt der besonderen Art begeben: In „Pjöngjang mit Vollpension“ steht unter anderem ein Besuch des Freundschaftsmuseums (es sind es sogar gleich 2 Museen) in den Myohang-Bergen an. Dort erfreuen besondere Gaben, die Kim Il Sung von Kollegen aus aller Welt erhalten hat, das Auge des Besuchers. Neben allerlei Nützlichem (wie Eisenbahnwaggons von Mao Tse-Tung oder eine silberne Kalaschnikow von Fidel Castro) gibt es auch kleine, feine Dinge: Hervorzuheben sind hier ein Aschenbecher, den Madeleine Albright dem Staatsführer schenkte, ein Kugelschreiber von Jimmy Carter und – man lese und staune – eine Broschüre „Gesund in die Sauna“, die ein finnischer Firmenvertreter als würdiges Mitbringsel überbrachte.

Von der nördlichen Halbkugel geht es weiter in die südlichste Region der Erde. Wer hier Sonne und Palmen erwartet, hat sich getäuscht: In der Antarktis gibt es nur Eis, Einsamkeit und absolute Helligkeit oder ewige Dunkelheit. Dieser sehr unwirtliche Teil unseres Planeten wird – neben Pinguinen – deswegen auch nur von Forschern aus aller Herren Länder regelmäßig aufgesucht. Die laufen zuweilen – ob der extremen Verhältnisse dort unten – „Amok im Schnee“ oder werden von den nicht minder gefährlichen „Whiteouts“ heimgesucht: Himmel und Eisoberfläche verschmelzen zu einem Ganzen, der Raum löst sich auf und der Mensch wird völlig orientierungslos.

Schließlich führt der Weg des arg verfrorenen Lesers wieder zurück in wärmere Gefilde und er findet sich dort wieder, wo sich homosexuelle Schimpansen zu ihrem „Tierischen Vergnügen“ mit ihrem besten Stück (im erigierten Zustand!) heiße Gefechte liefern.

Wer noch nicht genug hat und weitere Welten möglichst bequem durchbummeln möchte, dem sei dieses Magazin (und auch die folgenden Magazine) wärmstens empfohlen.

Kategorien: Auswärts · Kritik : Kritik

Zitatberichte: Fichte I

August 27, 2007 · Kommentar schreiben

„Die Selbstsucht ist die Wurzel aller anderen Verderbheit.“

Es ist so eine Sache mit dem Beenden von Beziehungen. Der Zeitpunkt ist immer unpassend, die Erklärung des „Warums“ ebenso. Der geschmähte Partner tut so, als käme das Ende überraschend, alle Zeichen der seit Wochen heranziehenden Schlechtwetterfront ignorierend.
Als ich mit Marie in den Park ging, versuchte ich meine Nervosität ob der bevorstehenden Nachricht, meiner Nachricht an sie, so gut wie möglich zu überspielen. Zumindest solange wollte ich meine Pose wahren, bis wir unseren grünen „Salon“ erreicht hätten. Ich war mir nicht sicher, ob Marie tatsächlich so ahnlungslos war wie sie erschien; sie wirkte absolut unbeschwert und plauderte von diesen und jenen Belanglosigkeiten.
Kurz bevor wir den „Salon“ erreichten, überprüfte ich, ob alles wie geplant verlaufen würde: Keine Menschenseele in der Nähe würde die Worte, die ich an meine Noch-Freundin richtete, erlauschen können. Marie war bereits verstummt und blickte mich mit scheuen Augen fragend an. Die dunklen Wolken waren längst aufgezogen, regenschwanger. Ich setzte mich auf die versteckte Bank zwischen blühenden Hecken und suchte nach dem geeigneten Anfang meiner blutigen Rede, hatte ihn verloren, obwohl ich die ersten Worte mindestens 124 mal im Kopfkino abgespult hatte. „Was ist denn los?“ fragte Marie in die bleierne Stille hinein und ich fing an zu sprechen, ohne von ihr wirklich Notiz zu nehmen. Ob meine Worte weich oder hart, gut oder schlecht gewählt waren, weiß ich nicht mehr, es war mir vollkommen gleichgültig, ob ich sie verletzte, ich wollte nur klären, mich reinigen von der eigenen Qual des monatelangen Geheimnisses.
Ich kann nicht mehr mit Dir zusammensein … Es war eine schöne und wichtige Zeit, die ich mit Dir hatte, aber ich liebe Dich nicht mehr … Ja, ich bin verliebt in eine andere, in H. … Aber das hat doch nichts mit Dir zu tun, ich weiß auch nicht, es ist mir einfach passiert … Es tut mir so leid, ich kann es aber nicht ändern, ist eben so … Das musst Du eben akzeptieren …
Es war das Gespräch, wie es schon unzählige Male von sich trennenden Paaren geführt worden ist, die Reihenfolge der Sätze variiert vielleicht, der Inhalt ist jedoch nahezu derselbe. Auch das Szenario der Gefühle ist dasselbe: Ungläubiges Staunen auf der anderen Seite, gefolgt von Schlucken, Schluchzen, Weinen, Flehen. Sinnlose Fragen zum „Warum tust Du mir das an“ mit zitternd-gebrochener Stimme , die zunehmend lauter, fast wütend wird. Und schließlich die bohrenden Fragen nach der Anderen.
Die Andere war für mich als Hirngespinst zu lebendig als Geliebte zu weit weg. Tatsächlich hatte ich mich verliebt, aber die Andere wusste nichts davon. Ich hatte versucht dagegen anzukämpfen, hatte Begegnungen mit ihr bewusst vermieden, bin ihr ausgewichen, wann immer es möglich war, hatte mich auf Marie konzentriert, fixiert, meine Liebe zu ihr eingeredet jede Nacht. Hatte ein halbes Jahr oder länger gegen meine Gefühle gehalten und konnte schlußendlich doch nichts anderes tun als zu kapitulieren. Ich konnte mit Marie nicht mehr zusammensein, konnte ihre Nähe nicht mehr ertragen, auch wenn ich die Andere vielleicht niemals haben sollte.
Plötzlich stand sie, die Andere, H. vor uns. Unheimlich aufgetaucht aus dem satten Grün des Dickichts, starrte sie mich an auf ihrem Fahrrad. Aus ihren Augen sprach Abscheu vor meinen bösen Worten. Da wusste ich: Niemals mehr würde ich eine Liebe erlangen, nicht die Neue und die Alte auch nicht mehr. Ich hatte die Liebe auf ewig verdorben, mein Herz vergiftet, ich hatte erkannt: Es gibt nur mich in meinem Weltenall.

Kategorien: Literatur · Zitatberichte

Lieblingsmärchen

August 26, 2007 · Kommentar schreiben

Meine Leseempfehlung zum Sonntagabend gehört zu den traurig-bitterbösen Märchen von Hans Christian Andersen. Ein bisschen weinen, schlucken und mitleiden tut mitunter jedoch gut und hilft, der Verkarstung des eigenen Gefühlswaldes entgegen zu wirken. Und ist es gerade erst Spätsommer oder Herbstbeginn und in der Erzählung eisigkalter Winter, umso mehr muss der Lesende seine Fantasiebegabung bemühen (was dem Denken ganz ungemein förderlich ist), um in die grausame Welt des kleinen Mädchens mit den Schwefelhölzern eintauchen zu können.

Hans Christian Andersen


Kategorien: Fotografie · Literatur

Berlin kopfüber

August 19, 2007 · Kommentar schreiben

Berliner Hinterhof

Berliner Hinterhof, morgens, horizontale Perspektive, 0.80 m über dem Dielenboden.


Berlin kopfüber

Zwischenweg Reichstag – Bundestag, Berlin an einem Augustsonntag. Steinquader, kopfüber.

Kategorien: Fotografie

Schlechter Essen (Schlächter Äsen)

August 18, 2007 · Kommentar schreiben

Metzgereifachverkäufer Maik, von seinen Freunden Schlächter Äsen genannt, arbeitet in einem Wurst- und Fleischwarenladen in einem kleinen Kaff süd-östlich von Berlin. Alles scheint seinen Gang zu gehen, der Chef jammert zwar stetig über die ortüblichen Fleischpreise, da er das bei den Bauern im Umland erstandene Fleisch fast zum Einkaufspreis wieder an die Kundschaft abgeben muss, aber das kümmert Maik wenig. Eines Tages jedoch kündigt der Chef an, dass er wahrscheinlich bald Personal entlassen müsse, um den Laden bei den niedrigen Fleischpreisen zu halten. Andernfalls verliere er seine Kunden, so der Chef, die lieber billig-preiswert zu den großen Supermärkten am Rande des Ortes einkaufen gingen.

Aus Sorge um seinen Arbeitsplatz ersinnt Schlächter Äsen zusammen mit seinem Kumpel Knorke einen Plan: Sie treffen sich mit einem Fleischhändler in Berlin, der ihnen supergünstige und verarbeitungsfertige Ware verspricht, nur Fragen dürfen sie keine stellen. Der Deal scheint perfekt: Chef zufrieden, Arbeitsplatz sicher und der Euro rollt. Bis Knorke plötzlich mit einer Lebensmittelvergiftung ins Krankenhaus muss und die Gesundheitsbehörde vor Metzger’s Tür steht. Schlächter Äsen macht sich in Berlin auf eigene Faust auf die Suche nach dem Schwarzhändler und gerät in ein Netz aus Gammelfleisch, Lügen und illegalen Geschäften. Als Maik den „Fleisch-Paten“ enttarnt, wird er selbst beinahe zum Schlachtvieh…

Ein Film über Deutschland, wie er ehrlicher nicht sein kann: Fleischskandale, Arbeitslosigkeit, Brandenburger Tristesse gegen Berliner Moloch. Demnächst an ihrer Wursttheke.

Kategorien: Film · Lieblingstiltext

Arbeitssuchend anschreibend

August 16, 2007 · 1 Kommentar

Wie kann ich mit meinem Bewerbungsanschreiben die größtmögliche Aufmerksamkeit des Lesers gewinnen? Der Arbeitssuchende meide die marktüblichen Ratgeber, in denen abgegriffene Standardsätze zum Besten gegeben werden, und vertraue sich schwimmend seinem kreativen Gedankenfluß an. Das ist günstiger und ergiebiger. Der erste Satz ist der Schwierigste und sollte wohlüberlegt formuliert sein – dieser Satz bestimmt über das Weh oder Wohl des Schreibenden. Was dann folgt, wird relativ Schnurzpiep sein – frei nach der Devise: Spiel – Satz – Sieg. Es folgen einige Beispiele vollkommen untypischer Einleitungen, die ihre Wirkung garantiert nicht verfehlen:

Ich bin die Nadel in Ihrem Heuhaufen. (…) Geben Sie mir den Stoff und das Muster, ich schneidere Ihnen daraus den Maßanzug.

Auch ein blindes Huhn findet mal ein Korn – in diesem Fall bin ich das Korn.

Ihre Suche ist zu Ende: Da bin ich!

Das von Ihnen ausgeschriebene Stellenangebot ist nichts für mich.

Was sind Sie doch für ein Glückspilz! Ich bin der 6er auf Ihrem Lottoschein, ich bin die reiche Erbtante aus Amerika, von der Sie bis heute noch nichts wußten!

Heute mache ich Ihnen ein Angebot, dass Sie unmöglich ablehnen können! Greifen Sie zu!

Warum nach den Sternen greifen, wenn Sie mich haben können!

Lieber den Spatz in der Hand, als die Taube auf dem Dach. Das ist mein Motto.

Noch Fragen? Oder Anregungen? Ideen?

Kategorien: Humoreske · Salon

Auswärtsticker: Bildberichte

August 12, 2007 · 1 Kommentar

Eine Stadt lebt von und durch ihre Attribute:
Peking, die verbotene Stadt.
New York, die schönste Stadt.
Paris, die Stadt der Liebe.
Berlin, die Stadt weiter…

Morgens, blaue Stunde, ich wache auf und lausche der absoluten blauen Stille. Es ist noch sehr früh, schlafen kann ich nicht mehr, also weiter…

Der Vorhof zur Hölle ist zugleich Durchgangssaal zum Himmel. Ein Raum ohne Dimensionen. Beide Eingänge sind an der Wand, nebeneinander gelegen. Die Wand ist schwarz, weiter…

Der lichtblaue Himmel spannt sich über die sandfarbenen Zinnen der hohen Burg. Es ist heiss um diese Jahreszeit, doch die Gefangene kann die Hitze hinter den dicken Mauern nicht fühlen weiter…

Kategorien: Auswärts · Lieblingstiltext

Konzertkritik von anderer Seite

August 1, 2007 · 2 Kommentare

Heute gibt es einen anderen Beitrag aus der Welt der Blogs, den ich nur zu gern meiner geneigten Leserschaft ans Herz lege: Spezialpeggy schreibt über Tocotronic auf dem Berlinfestival, das/die sich am vergangenen Wochenende in Mitte-Wedding präsentierte/n. Dazu mein Kommentar in voller Länge:

Die Jugend ist nicht mehr das, was sie mal war. Auch ich war als Zeugin anwesend und konnte mit meinen eigenen Ohren kaum fassen, dass junges-hippes Partyvolk sich zu trommelfellüberfreundlicher Musik sanft in Wellen wiegte. Da gab es kein Gedrängel vor der Bühne, die Menge kam gänzlich ohne Deo aus und „Tanzen – was ist das?“ stand als große Denkblase über dem Grün in Berlins Mitte. Vielleicht waren die selbstdarstellernden Besucher auch mehr damit beschäftigt, an ihrer Außenwirkung zu feilen: Berlin ist Hauptstadt der cool-mutigen Modeverwirrten. Kein Fetzen ist zu abgetragen, zu verwaschen, zu grell, zu groß, klein oder ausgebeult, als das er nicht noch zur Unterstreichung der eigenen Individualität herhalten könnte. Die buntgescheckte Kleidung allein jedoch gereicht nicht, um seine ganz einzigartige Aura zu unterstreichen: Ein kühl-distanziertes Auftreten, demonstriert durch angedeutetes Wippen mit dem Fuß bei Konzerten, die wie Hintergrundmusik sind, rundet das kreative Image ab. Man klatscht verhalten und blickt ernst aber uninteressiert zu denen da auf die Bühne. „Das kann ich besser!“ ist das ureigene Credo, welches die eigene Erscheinung ganz und gar perfekt und vollkommen werden lässt. Schließlich gilt:

Ein Künstler ist,
der andre frisst.

Fazit: Da rockt jede noch so nervige S-Bahn- und Auf-der-Straße-musizier-ich-Band mehr als das, was sich mitten in Berlin Freiluftkonzert nennt – leider und schade ist das.

Kategorien: Auswärts · Kritik : Kritik